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Unterhaltungsabend 2012
31.03.2012
20:00-23:00

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Chronik
Bernhardzell, das schmucke, kleine Bauerndorf am Fusse des Tannenberges, inmitten stolzer und prächtiger Hochstammobstbäume und saftiger Wiesen gelegen, welche vor allem im Frühiahr in eindrücklicher Blütenpracht erscheinen, verfügt über eine ausserordentlich starke Vereinstätigkeit.

Mit seinen rund 800 Einwohnern bestehen im Dorf 10 musische, sportliche oder gesellige Vereine, welche alle eine sehr grosse Aktivität und Zielstrebigkeit aufweisen. So konnten sowohl der Turnverein und der Schützenverein als auch die Musikgesellschaft an regionalen, überregionalen und sogar eidgenössischen Wettkämpfen in den letzten Jahrzehnten grosse Erfolge verzeichnen. Der Verein mit der wohl grössten Öffentlichkeitstätigkeit ist mit Sicherheit die Musikgesellschaft. Kaum ein grösseres Fest im Dorf, in der Kirche, an Geburtstagen und Hochzeiten, Jubiläen und Weihungen ist ohne Musik vorstellbar. Das ist wohl auch seit langer Zeit so.

Bernhardzell1920
Bernhardzell um 1920

 
Mit Sicherheit wird schon seit es Blasmusikinstrumente gibt, in unserem Dorf in irgendeiner Weise in verschiedenen Formationen Blasmusik gespielt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Musikgesellschaft auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

 



Die erste Beurkundung von einem Musikcorps in Bernhardzell wurde 1825 in einem Kirchenprotokoll gefunden. Damals wurden in einer kleinen Besetzung mit kircheneigenen Instrumenten kirchliche Feiern und Gottesdienste mit würdigen Klängen umrahmt. Es bleibt eine Vermutung, dass die Musikanten auch ausserhalb der Kirche ab und zu die Instrumente für gesellschaftliche Anlässe verwendet haben. Die Eintragungen in den Kirchenprotokollen drehen sich meist um die Instrumente oder um die Stellung und Entschädigung der Musikanten. So kann aus einem Protokoll aus dem Jahre 1838 folgender Satz gelesen werden: "Die Musikanten der Gemeinde melden sich, es möge ihnen aus der Kirchenpflegschaft etwas an eine kleine Mahlzeit mitgeteilt werden, weil sie das Jahr hindurch immer müssen bereitstehen, und in andern Gemeinden komme den Musikanten auch ein gewisses Einkommen zu." Der damalige Verwaltungsrat beschloss, dass ihnen der Kirchenpfleger aus der pflegschaft 2 Thaler mitteilen soll. Ebenso erfährt man, dass damals das "Flicken einer
Fentiltrompete" 24 Heller kostete. In der Folge war mehrmals von Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen Musikanten, Sängerinnen (Kirchenchor) und Kirchenverwaltung die Rede und oft wird von Auflösungsgedanken, von zerfallener oder zerstörter Kirchenmusik berichtet.

 

MGB1955

Musikgesellschaft Bernhardzell 1904

Seit 1886 sind vereinseigene Protokolle vorhanden. Als erster Präsident amtete Posthalter Josef Anton Eigenmann. In der Folge wechselten Präsident und Dirigent bis 1892 fast iährlich, was sicher ein Zeichen unsteten Vereinslebens und schwieriger Zeit war. In den 90er Jahren begann der Verein sich zu festigen und in der Folge konnte ein steter Aufwärtstrend bis in die heutige Zeit festgestellt werden. Eine weitere schwierige Zeit folgte in den Jahren des 2. Weltkrieges. Durch Abwesenheit der Musikanten infolge Aktivdienst war der Verein zeitweise so stark geschwächt, dass keine geregelten Proben und keine regelmässigen Sitzungen, Hauptversammlungen und Familienvorstellungen mehr durchgeführt werden konnten. Nach Kriegsende entwickelte sich der Verein rasant weiter. 1947 wurde der lang gehegte Wunsch nach einer Uniform durch die Initiative von Johann Edelmann, Hinterkirch, in die Tat umgesetzt und am 17. Mai 1948 konnte die erste Uniform bei einem grossen Fest und strahlendem Wetter mit glanzvollem Festzug und viel Musik eingeweiht werden. Ein Jahr später, 1949, begann mit der ersten Teilnahme am St. Galler Kinderfest eine bis heute beibehaltene Tradition. Schon oft sind die Musikanten bei sengender Hitze und trockener Kehle mit klingendem Spiel von der Stadt zur Kinderfestwiese hinauf marschiert, um dort den flüssigen Lohn für durstige Musikantenkehlen entgegennehmen zu können.

Auf die 125-Jahr-Feier wurde die Beschaffung eines Vereinsbanners angestrebt. 1953 konnte die Fahne anlässlich eines grossen, prunkvollen Jubiläumsfestes entrollt und eingeweiht werden. Die "sagenhaften Zwerge vom Tannenberg" überbrachten die prächtige Fahne dem stolzen Fähnrich Ernst Friedli, Käserei Engi, flankiert von den Fahnenpaten Julia Meier und Josef Eigenmann. Regen, Gewitter und Sturm brachten die Festgemeinde auf freiem Felde durcheinander, taten aber der Feststimmung keinen Abbruch. Es scheint, dass die unerwartete Dusche der neuen Fahne ein gutes Omen war, war das Banner doch bis "Music-Time 2000", fast 50 Jahre später, noch im Einsatz und hat in dieser Zeit den Verein zu so manch erfolgreichem Musikfest begleitet. Mit der Anstellung des initiativen und zielstrebigen Dirigenten Edi Ehrenzeller wurde 1954 ein weiterer grosser Aufschwung eingeleitet. Mit gezielter Nachwuchsförderung und solider Jungbläserausbildung wurde der Grundstein gelegt für eine bis heute anhaltende, stete Steigerung der Musikqualität. In seiner 28-jährigen Amtszeit hat er die Musikgesellschaft zu Glanz und Glorie geführt und dabei die Geselligkeit, Gemütlichkeit und Kameradschaft immer hochgehalten. Seine Tätigkeit geht als entscheidende Epoche in die Geschichte der Musikgesellschaft Bernhardzell ein.

 

Ehrenzeller

E.Ehrenzeller,Ehrendirigent

1957 entschloss sich der Verein, erstmals an einem Eidgenössischen Musikfest in Zürich teilzunehmen. Die aufwendige und solide Vorbereitungsarbeit hatte sich gelohnt. Mit sehr gutem Erfolg, einem Goldlorbeerkranz und zweimal dem Prädikat "Vorzüglich" durften sich die Musikanten beim Vereinsempfang in Bernhardzell feiern lassen. Ebenso goldlorbeerbekränzt kehrte der Verein 1965 vom Kantonalen Musikfest in Widnau nach Hause zurück.

1967 wurde durch Edi Ehrenzeller eine tiefe und anhaltende Freundschaft über die landesgrenze hinaus begründet. Durch die Teilnahme am Kreisverbandsmusikfest in Eglofs (D) wurde der Grundstein für eine bis heute andauernde schöne und erspriessliche Freundschaft zwischen den Musikvereinen gelegt. Periodische Gegenbesuche vertieften und festigten die Beziehung. So konnten 1969 anlässlich unserer zweiten Uniformierung die deutschen Gäste begrüsst und bewirtet werden, und gemeinsam wurde ein unvergessliches Musikfest bestritten, das den Teilnehmern noch in bester Erinnerung ist.

Eineinhalb Jahrhunderte Musikgesellschaft Bernhardzell feierten die Musikanten in einem grossartigen Musikfest 1976. Gleichzeitig wurde nach 1961 zum zweiten Mal ein Kreismusiktag in Bernhardzell organisiert. Unter der Leitung von OK-Präsident Josef Düring wurde ein feierlicher Rahmen zum 150-Jahrjubiläum geboten und die zwei Musikfesttage sind für alle auch heute noch in guter Erinnerung. Dazu wurde erstmals in der Vereinsgeschichte ein Festzeit auf der Schulhauswiese aufgestellt.

 

Mit einem Konzert- und Unterhaltungsabend zusammen mit der Musikkapelle Eglofs trennten sich die Bernhardzeller Musikanten 1982 von ihrem erfolgreichen und liebgewonnenen Dirigenten Edi Ehrenzeller. Mit der Übergabe eines goldenen Dirigentenstabes und der Ernennung zum Ehrendirigenten wurde der grossen Dankbarkeit Ausdruck verliehen.

Ein weiterer Glückstreffer gelang 1982 mit der Wahl von Peter Salvisberg aus Romanshorn zum Dirigenten. Unter seiner sehr straffen, konsequenten und trotzdem kollegialen und kameradschaftlichen Stabführung steigerte sich der Verein zu kaum vorstellbaren Höchstleistungen. Ein intensiver, gezielter musikalischer Aufbau und seine überlegte Auswahl von Brass Band-Literatur, vermochte die Musikanten zu motivieren und aus der Reserve zu locken. Der erste Grosserfolg stellte sich 1984 am Kantonalen Musikfest in Rorschach ein, wo die Musikgesellschaft den 1. Rang in der 3. Stärkeklasse belegte.

 

MGB1972

Musikgesellschaft Bernhardzell 1972

Angespornt durch den Erfolg beschloss der Verein, am Eidgenössischen Musikfest in Winterthur teilzunehmen. Mit intensiver Probenarbeit, verbunden mit einem Probewochenende in Wildhaus, wurde eine gute Grundlage für die Teilnahme am Wettbewerb geschaffen. Die Musikanten wurden dafür ausserordentlich gut belohnt. Am Eidgenössischen Musikfest in Winterthur 1986 erreichte die Musikgesellschaft den 1. Rang in der 3. Stärkeklasse. Anlässlich eines grossartigen Vereinsempfangs wurde der Erfolg gebührend gefeiert.

Parallel zu den Wettkampferfolgen konnten in den Jahren mit Dirigent Peter Salvisberg sehr schöne und erfolgreiche Unterhaltungsabende durchgeführt werden. Durch den vermehrten Einbau von Showelementen und Lichteffekten wurde die Attraktivität gesteigert. Auch wurde die Nachwuchsförderung und Jungbläserausbildung mehr und mehr gefördert. So konnten zeitweise bis zu 12 Jungbläser gleichzeitig ausgebildet werden. Leider war die ausserordentlich erfolgreiche "Ära Salvisberg" nach nur 5 Jahren bereits wieder zu Ende. Für die erfolgsgewohnten Musikanten war die Suche nach einem geeigneten Nachfolger nicht ganz einfach. Erst drei Jahre später, 1990, konnte der neue Dirigent René Stadler gefunden und engagiert werden. In der Zwischenzeit kam es nur noch zu kurzen Anstellungsverhältnissen und Aushilfsdirigenten. Zu erwähnen ist das ausserordentlich erfolgreiche Unterhaltungskonzert 1989 mit der versierten Vizedirigentin Elsbeth Mändli. Der grosse Erfolg hat wohl alle überrascht.

Mit der Wahl von René Stadler ging der Verein wieder in geordnete Bahnen über. Die zielstrebige und fachmännische Leitung des iungen und dynamischen Dirigenten veranlasste den Verein zur Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest 1991 in Lugano. Die Grosserfolge an den letzten Kantonalen und Eidgenössischen Musikfesten sowie die über Jahrzehnte solide und gewissenhafte Jungbläserausbildung liessen das Wagnis, in die 2. Stärkeklasse aufzusteigen, zu. Das Ziel, sich im Mittelfeld der 2. Klasse Brass Band zu positionieren, wurde erreicht. In der Marschmusik wurde mit dem 6. Rang von 42 Konkurrenten sogar ein hervorragendes Ergebnis erzielt. An den Kantonalen Musikfesten 1994 in Jona und 1999 in Mels konnte sich der Verein im vorderen Mittelfeld der 2. Klasse Brass Band etablieren.

Der kontinuierliche Ausbau der Nachwuchsförderung führte 1995 zu einem weiteren Meilenstein in der Geschichte der Musikgesellschaft Bernhardzell, der Gründung der JBB, Jugend Brass Band Bernhardzell. Mit dieser jungen Band konnte der Dirigent Rene Stadler 1998 einen Grosserfolg verbuchen. Am Kreisverbandsmusikfest in Ehingen bei Ulm (D) wurde die zweithöchste Punktzahl des ganzen Festes erreicht und die JBB als überzeugender Klassensieger gefeiert.

 

>Schlusswort

Die Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, lässt aber doch einen tiefen Einblick in die lange Vereinsgeschichte zu. Die Bücher zeigen eine ungeheure Entwicklung auf. Aus einer anfänglich einfachen, kleinen Kirchenmusik entfaltete sich die Musikgesellschaft Bernhardzell zu einem grossen, breitgefächerten Unternehmen mit rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Jahresumsatz (ohne ausserordentliche Anschaffungen wie Uniformen, Instrumente und Fahnen) von gegen Fr. 40'000.-. Die Probleme und Anstrengungen, die budgetierten Ausgaben decken zu können, waren seit jeher dieselben. Nur durch enormen Einsatz der Führungskräfte und der Musikanten sowie die grosszügige Unterstützung des Vereins durch Passivmitglieder, Einwohner, Gönner und Sympathisanten war es überhaupt möglich, an den Hauptversammlungen immer wieder ausgeglichene Rechnungen vorlegen zu können.

An dieser Stelle gebührt der Bevölkerung von Bernhardzell und Umgebung der herzliche und aufrichtige Dank. Ebenso gilt den Funktionären der Musikgesellschaft, vor allem den Präsidenten und Dirigenten, weIche mit grossem Enthusiasmus und selbstloser Einsatzbereitschaft grosse Arbeit zum Wohle und Gedeihen des Vereins geleistet haben, der grosse Dank und die Anerkennung durch die Musikantinnen und Musikanten. Waren die Zeiten und Umstände auch nicht immer so rosig und der Verein oftmals dem "Zerfalle" nahe, so fanden sich immer wieder initiative und überzeugte Musikanten, die das Schiff durch den Sturm steuerten und weiterführten. Mit der "alten Zähigkeit", wie der eiserne Durchhaltewille von einem früheren Chronisten umschrieben wurde, werden auch kommende Generationen die Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft wahrnehmen, um die Musikgesellschaft auf ihrem erfolgreichen Kurs weiterzuführen.